Wie fühlt es sich an, als Teenager die Heimat zu verlieren, Nadja Klier?

Shownotes

Dies ist ein Podcast der Stiftung Friedliche Revolution Leipzig - er wird von den Journalisten Björn Menzel und Pierre Gehmlich produziert.

Schreiben Sie uns gern unter presse.neuigkeit@gmail.com.

Die Stiftung betreut im Auftrag der Stadt Leipzig das Projekt rund um die Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Leipzig. Die sächsische Staatskanzlei unterstützt die Podcaststaffel "Die Kinder der Anderen" mit dem Förderprogramm "Sehnsucht nach Freiheit". Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Interessante Links:

Auf ihrer Webseite stellt Nadja Klier ihre Projekte vor. Eins davon ist die DDR BOX - eine Zeitreise durch die DDR-Geschichte mit authentischen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.

Mehr über das Freiheits- und Einheitsdenkmal Leipzig finden Sie hier.

Und hier gibt es mehr Informationen über die Stiftung Friedliche Revolution Leipzig

Credits: Produktion: Björn Menzel und Pierre Gehmlich; Specher:innen: Carolin Voigt, Pierre Gehmlich, Björn Menzel; Musik: Nando Lierath, Episoden-Cover: Björn Menzel; Podcast-Cover: ABL/Bernd Heinze; Original-Töne: Siegbert Schefke, Aram Radomski; Cover-Design: Steffen Bertram

Transkript anzeigen

00:00:00: Na ja, das ist nicht schön.

00:00:01: Wenn eine Vierzehnjährige aus ihrem Umfeld rausgerissen wird über Nacht ... Überhaupt nicht!

00:00:05: Das war mega scheiße.

00:00:07: Sorry für Schimpfwort hier.

00:00:08: Nee, es war wirklich einfach ein Disaster also... Dann haben sie noch gesagt du darfst sich ungeheim verabschieden?

00:00:15: Und da hab ich gesagt nö, ich verabscheide mich aber trotzdem.

00:00:18: Also ich geh natürlich zu meiner besten Freundin und sag tschüss.

00:00:21: und dann habe ich ein paar Sachen gepackt, ein paar Dinge für Freie Also ein paar Anziehsachen.

00:00:25: Ich hab von meinen Sachen gar nicht viel eingepackt Fotos Tagebücher, so was.

00:00:30: Und dann saßen wir am nächsten Morgen in diesem Bus erst mal bis zur Grenze und irgendwann tauchte auf dieser total leeren Autobahn ... Also auf der DDR-Autobahn war eh nicht viel los.

00:00:41: Tauchte irgendwann ... Das waren morgen so ein Zehn, halb zehn, ein zweiter Bus auf.

00:00:45: Da saß Stefan und Freier drin mit noch drei Leuten.

00:00:48: Woran ich mich aber auch erinnern kann ist die haben uns eine Ausbürgerungsurkunde ins Auto gereicht?

00:00:57: Die DDR ist ja sowieso das Land der Medaillen und Urkunden.

00:01:00: Und da stand dann fein säuberlich drauf, dass wir aus der Staatsbürgerschaft entlassen

00:01:03: werden.".

00:01:05: Das sagt Natja Klier – ihre Mutter.

00:01:07: freier Klier war eine berühmte Filmemacherin.

00:01:10: Sie wollte aus der DDR fliehen, scheiterte oder verhaftet hatte Berufsverbot, saß im Gefängnis und wurde schließlich ausgebürgert.

00:01:19: Wir sprechen mit Natja klier über ihr Leben über den großen Einschnitt, als sie vierzehn Jahre alt war.

00:01:24: Als die zusammen mit ihrer Mutter ausgebürgert wurde und wie sie dann auf der anderen Seite der Mauer in Westberlin gelebt

00:01:30: hat.".

00:01:31: Mit diesem Gespräch starten wir eine neue Staffel von Wir sind das Volk!

00:01:35: Die Staffel trägt den Titel «Die Kinder der Anderen», denn wir möchten mit denjenigen reden, deren Eltern in der DDR aus verschiedenen Gründen nicht ins System gepasst haben – und die Kinder mit den Folgen leben mussten.

00:01:47: Was bedeutete das eben für diese Kinder der andern?

00:01:50: Und was bedeutet das für Sie vielleicht bis heute?

00:01:54: Was hat dieses Leben der Eltern mit Ihren Kindern gemacht, hat es deren Leben verändert, beeinflusst?

00:01:59: und wie blicken sie heute darauf.

00:02:02: Wir wünschen viel Spaß bei den nächsten zehn Folgen in denen es um die Kinder der anderen geht.

00:02:06: – jetzt erst einmal viel Spaß mit dieser Folge!

00:02:25: Wir sind heute bei Natja Klia, treffen uns bei ihr in der Wohnung.

00:02:29: Vielen Dank, dass wir hier sein dürfen bei Ihnen.

00:02:31: Sehr gerne!

00:02:33: Hallo!

00:02:35: Bei Ihnen kommt ganz viel zusammen.

00:02:37: Ihre Mutter hatte einen Fluchtversuch aus der DDR war ein Haft in der DDR, war eine renommierte Regisseurin.

00:02:46: Berufsverbot.

00:02:48: Sie selbst wurden ausgebürgert, lebten in Westberlin.

00:02:52: Leben in West-Berlin sind heute Fotografin, Filmproduzenten... Wir müssen reden!

00:02:58: Ja!

00:03:00: Unbedingt oder?

00:03:01: Und zwar über sie und ihre Mutter.

00:03:04: Sie werden auch in dem Teil auch weil es zeitlich passt mit ihrer Mutter anfangen.

00:03:09: Wir würden gerne wissen als erstes wer war Ihre Mutter für sie als Kind und Jugendliche?

00:03:14: wie war die?

00:03:17: Ähm..sie war schnell.

00:03:26: Sie war auch lustig.

00:03:28: Und sie war aber auch selten da, weil sie ja sehr viel gearbeitet hat als Schauspielerin.

00:03:34: er ist also ich so drei vier Jahre alt war in Senftenberg an so einem dreisparten Theater.

00:03:40: Also da sozusagen wo für die ganzen Arbeitenden die arbeitende Bevölkerung in diesen Kleinstädten eben auch die Unterhaltung gesichert sein sollte.

00:03:48: Und dann ist sie ja später mit mir nach Ostberlin gezogen und da hat sie noch mal ein Studium angefangen für Regie.

00:03:55: Da war sie auch die einzige Frau, mit einem Kind alleinerziehend.

00:03:59: also das war schon ganz schön taf sowohl für Sie als auch natürlich auf eine Art und Weise für mich weil ich dann halt entweder bei Freunden untergekommen bin oder mal ein Kindermädchen kamen oder ich eben auch alleine war.

00:04:11: Sie haben gerade gesagt, sie war wenig da.

00:04:13: was genau bedeutet das für Sie im Familienleben?

00:04:16: wie sah es aus?

00:04:18: Also wenn meine Mutter da war, also die waren meistens da, wenn ich aus der Schule kam.

00:04:26: Das ist ja schon mal schön.

00:04:27: Es waren andere Werktätige selten, wenn Kinder aus der Schule kamen entweder Hort ... Ich war eh ein Schlüsselkind.

00:04:34: sie war meistens dabei weil sie eben abends gearbeitet hat am Theater und dann eben morgens meistens geschlafen hat.

00:04:41: das heißt bin alleine zur Schule gegangen auch schon recht früh.

00:04:44: Schüsselkind hieß immer, man hat den Schüsselbund am Band und konnte dann alleine nach Hause gehen aus dem Haut.

00:04:50: Genau!

00:04:51: Also das war sozusagen freigestellt ob du bis sechzehn Uhr in der betreuten Einrichtung bist oder ob du alleine nachhause gehen kannst.

00:04:58: weil warum auch immer?

00:04:59: Vielleicht gäbe es ja eine Oma oder ein größerem Ruder usw.

00:05:03: Ne und da war sie eben immer da aber sie waren abends nicht da also nicht immer.

00:05:09: Das heißt, wir haben uns nachmittags ein bisschen gesehen und abgedatet oder vielleicht ein frühes Abendrund gegessen.

00:05:14: Dann ist sie ins Theater gegangen, als ich kleiner war, bin ich manchmal mitgegangen.

00:05:18: Als ich dann älter war, hat es mich natürlich auch nicht mehr interessiert.

00:05:21: Oder ich habe bei Freunden übernachtet, wenn's ganz lang wurde oder mehrere Tage.

00:05:25: Und unsere gemeinsame Zeit ist auch mehr so ... Ich sag mal Weihnachten?

00:05:33: Wenn wir nach Dresden gefahren sind oder wenn sie aus Land gefahren ist zu Freunden, die hat den großen Freundeskreis, hat sie mich natürlich immer mitgenommen.

00:05:40: Klar!

00:05:41: Und da waren dann viele andere Kinder und die Mütter kluckten zusammen und die mütteren Väter kluckte zusammen und wir Kinder haben irgendwie auf irgendwelchen Bäumen gespielt oder haben die Gegend unsicher gemacht.

00:05:51: das war eigentlich ganz schön.

00:05:52: ich erinnere mich zumindest dass wir bei Markus Meckel viel waren in Wipro.

00:05:58: Der war tatsächlich auch schon in diesem Podcast.

00:05:59: Mit ihm haben wir uns besprochen, er hat aber nicht über Freie und Latia cleared.

00:06:02: Nee da kam so viel.

00:06:04: also das wäre schon wow wenn er sich daran noch erinnert.

00:06:06: Aber ich erinnere mich daran... Ich fand es super!

00:06:09: Und das war ja mein Alltag.

00:06:11: Also meinen Alltag war einen nicht geregelten Familienalltag zu haben.

00:06:15: wie andere dass sie sich abends treffen und dass die Eltern jedes Wochenende zu Hause sind oder man immer alles dann irgendwie zusammen macht das nicht?

00:06:23: Hat er allerdings auch den Vorteil, dass ich viel Freiräume hatte?

00:06:27: Meine Mutter hat mich nicht wirklich kontrolliert in dem Sinne wie oft andere Jugendliche kontrolliert worden sind.

00:06:33: Die hat da schon die Zügel recht lose gelassen zu meinem Glück vielleicht aber auch manchmal habe ich mich auch gelangweilt oder hab mich vielleicht mal alleine geführt.

00:06:47: Es hat beides immer einen Vor- und Nachteil oder einen Führenden wieder.

00:06:50: Wir sind das, glaube ich zeitlich mal einordnen.

00:06:51: Ja!

00:06:52: Sie sind neunzigzehn-seitdreien-siebzig geboren?

00:06:53: Stimmt es?

00:06:54: Korrekt.

00:06:55: Und wir reden jetzt über die achtziger Jahre... Ja genau.

00:06:58: Wir sind nineteenhundertneunund siebzig nach Ostberlin gezogen da fingern ihr Regiestudium an.

00:07:04: Das ging vier jahre also sprich bis so dreinachzig zweinachtig dreinachtzig.

00:07:08: dann ist sie ja auch schon wieder durchs Land delegiert worden.

00:07:12: Also für die Menschen, die nicht in der DDR groß geworden sind oder die nicht so gut kennen, man konnte sich seinen Beruf nicht unbedingt aussuchen, wo man jetzt hingeht und sagt, ich bin ausgelernt, ich möchte nach Strassehund und dort arbeiten oder weiß ich nicht nach Karl-Marx statt wie das in einer DDR ist sondern du bist dahin delegiert wurden, wo die dich brauchten.

00:07:30: also Planwirtschaft hat irgendwie auch in der Kultur ein bisschen stattgefunden wenn auch nicht so ausführlich wie in der regulären Wirtschaft.

00:07:39: Genau, dann war sie mal in Schwerin drei Monate, da war sie länger in Schwedt an der Oder.

00:07:46: Da hat sich ja die Legende vom Glück ohne Ende inszeniert.

00:07:50: Dafür hat sie einen Nachwuchspreis für Regie bekommen.

00:07:55: Von Plänsdorf?

00:07:55: Ja, Urich-Plänzdorf ist der Autor natürlich auch eine Adaption von dem weltberühmten Film Die Legende von Paul und Paula.

00:08:03: Toller Film!

00:08:05: Vor ihrer Geburt gab es allerdings, das hat ein Fluchtversuch von ihrer Mutter.

00:08:10: Sie wollte nach Schweden über die Ostsee die DDR verlassen.

00:08:15: Wissen sie warum ihre Mutter die DDR verlassen wollte?

00:08:18: Haben sie darüber gesprochen?

00:08:19: Nein wir haben nicht zu DDR-Zeiten darüber gesprochen sondern erst viel später weil ich glaube in der DDR redet man nicht so... Man funktioniert ist jetzt nicht so momentreflektiert, wie wir das vielleicht heute in diesen Generationen kennen und uns auch antrainiert haben.

00:08:35: Das war früher alles nicht so.

00:08:37: Also ich glaube sie war sehr frustriert weil ihr Bruder es in Haft gekommen für vier Jahre.

00:08:44: Rauditoum, weil er irgendwie ... Ich glaube Songs von den Rolling Stones an der Straßenecke laut gesungen hat und sich nicht sofort von zwei Volkspolizisten ordentlich hat Personal den kontrollieren lassen und ein bisschen rum, ich sag mal randaliert.

00:08:59: Aber es war nicht meine Schlägerei!

00:09:01: Und dann ist da halt der große Wagen gekommen mit acht oder zehn von denen Fokus... ...und die haben die Jugendlichen nicht nur festgenommen sondern auch irgendwie zu klein geschlagen.

00:09:10: Dann war er vier Jahre in Haft für sowas.

00:09:12: Ich glaube das hat meiner Mutter so hart frustriert dass sie gesagt hat ja dann will sie auch nicht hier bleiben.

00:09:20: aber natürlich ist es sehr naiv mit acht Zehn einfach irgendwie nach Straßung zu fahren und zu sagen, ich guck mal ob ich irgendwie auf die Fähre komme.

00:09:29: Auf der anderen Seite kann ich diese Naivität schon nachvollziehen weil du ja gar nicht wusstest wie breit die Stasi sich aufgestellt hat wo welche Stellen überwacht sind.

00:09:39: das ist ja nicht wie heute mit Kameras.

00:09:41: Das war ja alles personell Ja?

00:09:44: Und welche EMS Bescheid sagen auch Welchen Schiffen?

00:09:47: dass dann doch jemand Fremdes da irgendwie sich näher ran wagt und so weiter und sofort?

00:09:52: Das wissen wir heute, weil es so Filme gibt wie das Leben der anderen oder sowas.

00:09:55: Aber das wusste damals keiner und sie natürlich auch

00:09:58: nicht.".

00:09:59: Und für diesen Fluchtversuch ist sie dann in Haft gekommen?

00:10:02: Sie hatten schon gesagt über den Fluchtverursuch selber hat sie nicht gesprochen.

00:10:05: Hat sie über diese Haftzeit gesprochen?

00:10:07: Es waren ja direkt ein paar Jahre die sie dafür bekommen haben.

00:10:09: Nein!

00:10:09: Sie hatten nicht im Paar Jahre bekommen, weil jetzt in den Jahr nineteenhundertsechzig war die Verurteilung des Strafmaßes für Republikflucht also... Es gab schwerer Fall und einfacher Fall, also mit Hilfsmitteln und ohne irgendwie so.

00:10:23: War das noch nicht so hoch?

00:10:24: Das heißt ich meine sie hatte einen Urteil von einem Jahr und vier Monaten ... Was immer noch nicht kurz.

00:10:30: Nein natürlich!

00:10:31: Und für eine achtzehnjährige ist es irrsinnig lang.

00:10:34: Sie hat nicht die ganze Zeit abgesessen weil in meiner Meinung nach gab's ne Amnestie und sie war ja wirklich sehr jung mit achtzehnten da.

00:10:41: ich glaube sie ist nach neun Monaten rausgekommen.

00:10:44: Ich frag mich trotzdem bisschen.

00:10:45: Sie haben jetzt gesagt, sie haben nicht drüber geredet.

00:10:47: Wir hatten aber in diesem Podcast auch schon dieses Reden über das was einem passiert ist.

00:10:51: Wenn man ausgesiedelt wurde, wenn die Familie ausgesiebelt wurde dann wurde zum Beispiel bei Familienfeind im sehr kleinen Kreis manchmal drüber gesprochen immer mit dem Hinweis ihr redet ja nicht draußen darüber.

00:11:02: Auch das gab es bei Ihnen nicht?

00:11:03: Nö!

00:11:04: Das gab's nicht.

00:11:05: irgendwie waren wir ganz frei.

00:11:07: also ich war hier auch noch klein Ich war ja erstmal im Kind und an Jugendliche.

00:11:13: Natürlich hat mir meine Mutter in diesem ganzen Prozess sicherlich nicht alles erzählt, vieles habe ich am Rande mitgekommen manche Sachen konnte ich mir zusammenreimen.

00:11:20: es ist natürlich auch sehr schlau seinem Kind nicht alle Details zu erzählen.

00:11:26: wir sind aber auch abgehört worden.

00:11:28: also natürlich hat meine mutter irgendwann angefangen die relevanten Gespräche im Spaziergang um den Block mit Leuten zu führen oder ich weiß nicht ob sie im Auto, wenn die verreist sind.

00:11:42: Also wenn sie zu ihren Auftritten gefahren sind Stefan und frei ob Sie da überhaupt noch über irgendwas gesprochen haben oder ob sie da über die Natur oder ähnliches geredet haben?

00:11:50: Ich kann es nicht sagen.

00:11:51: Und ab wann war das denn?

00:11:52: Und wie haben Sie das mitbekommen aus Ihrer Mutter?

00:11:54: was hat sie erzählt?

00:11:56: Muss ja irgendwie einen Moment gegeben haben wo das Gefühl dabei ich werde jetzt abgehört wir werden abgehört!

00:12:01: Ich kann mich aus meiner Perspektive nur daraus erinnern dass ich mal verfolgt worden bin.

00:12:06: abends als ich aus der Disco nach Hause gekommen bin Lief ein Mann hinter mir her, um mal der gleiche Abstand.

00:12:11: Aber wenn du ein dreizehnjähriges Mädchen bist oder so, dann denkst du erst mal, er will was anderes.

00:12:16: und ich bin in diesen Hausflur gesprintet und habe im Dunkeln ohne Licht anmachen durch die Treppe hoch geflitzt und hab auch kein Licht angemacht.

00:12:27: Und später kam meine Mutter nach Hause nach mir.

00:12:30: Dann hab ich ihr das erzählt und dann hat sie gefragt wie der aussah Auch mit Selbstzimmer.

00:12:41: Raus keine Angst haben ist von der Stasi?

00:12:43: Ja, naja sie hat natürlich in dem Fall um Missbrauch oder irgendwelche solche Sachen gedacht und war erst mal leichter und wahrscheinlich hat sie auch eins und eins... sofort zusammengezählt, dass sich da sie natürlich keine Kinder entführt macht sie nicht.

00:12:55: Aber was die Stasi natürlich macht ist, dass sie schon die Familienangehörigen observiert überwacht erstens um Profile zu erstellen wie man sozusagen operative Vorgänge beginnen kann an Menschen das heißt EMS auf die Menschen anzusetzen oder andere Sachen Zersetzungsmaßnahmen einzuleiten.

00:13:14: Das kann man machen aber ich glaube Sie hat in dem Fall eher als Mutter gedacht.

00:13:19: Vielleicht hat sie auch noch irgendwas anderes hinterhergesagt.

00:13:22: Vielleicht hat's ja gesagt, sag mir mal Bescheid, wenn das wieder passiert?

00:13:25: Ich weiß es nicht.

00:13:26: Aber ich weiß, dass unser Telefon abgehört wurde ... Also ich hab's einfach gemerkt, dass sie ab einem gewissen Moment nicht mehr so freizügig in der Wohnung und übers Telefon gesprochen hat.

00:13:39: Nach der Haft hat ihre Mutter studiert, ist Regisseurin geworden.

00:13:44: Renommierte Regisseurin.

00:13:46: Wie sehen Sie das damals?

00:13:49: Ist die damit Ihren Weg in eine DDR gegangen für euch?

00:13:53: Man hatte ja ne zweite Chance gegeben, sprich sie ist aus der Haft mit dieser Amnesty entlassen worden und ich glaube ... oder heißt es nicht Hans Otto Theater?

00:14:04: aber ich meine sie heißt Hans Otto Schule?

00:14:06: ihr seid aus Leipzig.

00:14:07: bitte korrigiert mich Ich kann's nicht besser sagen Aber da war eine Schauspielschule.

00:14:14: Die waren sehr scharf darauf, freier zu haben als Schauspielstudentin und sie konnte studieren.

00:14:21: Und sie hat ja auch danach Engagements bekommen, wenn auch erst mal in kleinen Provinztheatern wie Sämpftenberg... ...und sie hatte sozusagen am Theater als junge begabte Person noch einmal oder nicht nochmal überhaupt eine Karriere machen können und hätte sich unpolitisch verhalten was Sie ja sage ich mal vielleicht bis neunzehundertdrehen achtzig getan hat, dass das gar nicht so laut war.

00:14:48: Kritik in Theaterstücken?

00:14:50: Dann hätte sie wahrscheinlich eine Superkarriere hingelegt in ADDR.

00:14:54: aber natürlich hat sich sicherlich erinnert an diese Missstände die mit ihrem Bruder passiert sind.

00:14:59: Ihr Bruder hat sich das Leben genommen als er neunundzwanzig Jahre alt war und ich glaube das hat meine Mutter alles nicht so richtig verschmerzen können oder so wegdrücken.

00:15:11: und es ist immer wieder hochgekommen Weshalb sich diese Kritik, die ja an vielen Ecken in der DDR aufgeploppt ist, die man sah.

00:15:19: Sich bei ihr manifestiert hat in ihrer Arbeit?

00:15:22: Wir haben sie das wahrgenommen.

00:15:23: Hieß es, dass Sie musste still bleiben?

00:15:25: oder hießt es, wir wissen auch aus unserer DDR-Erfahrung, da war schon ein Misstrauen den gegenüber da, die sich einmal gegen den Staat gewentet haben.

00:15:34: Die in der Kirche waren, die nicht Jugendweihe gemacht haben, die irgendwas Staatsfeindliches gemacht haben.

00:15:39: Dieses Misstrauern ist bei sehr vielen Menschen nicht weggegangen vom Staat gegenüber diesen Menschen.

00:15:45: Haben Sie da was mitbekommen?

00:15:46: Nein, ich kann jetzt nicht sagen dass die Akte meiner Mutter irgendwie im Jahr nineteenhundertsechzig angefangen hat also die Stasiakte.

00:15:53: Ich glaube das ist später weil man hat sie in der Tat erst mal wieder raus gelassen aus dem Raster Hat sie aber wieder eingefangen als sie natürlich in Ostberlin sich diesen Friedensgruppen und diesen Umweltgruppen mit angeschlossen hat.

00:16:07: Es gibt ein Überwachungsfoto von mir und ihr Da bin ich zehn Jahre alt.

00:16:11: Das ist das erste Foto, was die Stasi von mir gemacht hat.

00:16:14: Ich auf dem Fahrrad, wie meine Mama bei so einer Demo hinterherfahre für eine saubere Umwelt und da ist es wieder losgegangen, dass man sie gemeinsam mit den anderen ins Visier genommen hat.

00:16:26: Sie hat sich eng vernetzt weil diese Menschen sind auch häufig kreativ gewesen.

00:16:32: Also das waren Menschen ... geschrieben haben oder andere kreative Arbeiten gemacht.

00:16:40: Man hat sich das schon sehr viel mit der Gesellschaft beschäftigt, ganz anders als ein normaler Werktätiger, der im Dreischichtssystem arbeitet und vielleicht sogar drei Kinder hat und überhaupt gar keine Kraft dafür.

00:16:51: Jetzt müssen wir alle noch mal ein bisschen mitnehmen.

00:16:53: in der DDR hieß ja wenn man sich für Umwelt einsetzte Oder für Friedeneinsätze.

00:16:58: Ganz ehrlich, es stand ja sogar in der Verfassung der DDR.

00:17:01: Wir sind für Frieden und für Umweltschutz.

00:17:03: Man hat sich aber trotzdem, wenn man öffentlich dafür eingestanden hat... Ja, da hat man sich auf die Seite der anderen gestellt gegen den Staat.

00:17:11: Genau!

00:17:11: Habe ich gerade ein schönes Erklärvideo gemacht?

00:17:13: Gab es Umweltkatastrophen in der DDR?

00:17:17: Gabs natürlich nicht.

00:17:20: Genau, die DDR hatte ein Ministerium für Umwelt- und Wasserschutz.

00:17:24: Ich glaube, das ist Zeit neunzehntseinhalbundsiebzig.

00:17:26: Klar, es steht in der Verfassung

00:17:27: usw.,

00:17:28: aber es sollte wie alles in einer DDR immer staatlich gelenkt und geregelt sein.

00:17:33: Die DDR war allergisch gegen alles was an ihrem Radar vorbeigegangen ist Ganz grundsätzlich.

00:17:40: Weil man das nicht sofort einordnen konnte, weil man nicht genau wusste wofür ist es gut wird aus der privaten Baumpflanzaktion da auf der anderen Straßenseite vielleicht noch eine größere Nummer oder dann doch mal ne Demo Und das wollten die nicht.

00:17:52: D.h.,

00:17:52: sie haben alle diese Sachen im Keim erstickt, manchmal mit kleinen Maßnahmen wie bei Fahrradtouren haben Sie halt die Fahrer angehalten und haben von jedem in der Gruppe die Personalien aufgeschrieben.

00:18:03: Wenn das wieder passiert ist, dann wohnen die schon zweimal aufgeschrieben.

00:18:06: Dann hast du vielleicht irgendwann einen Eintrag bekommen oder überhaupt eine Akte wurde über dich angelegt?

00:18:11: Nee also seine Meinung so frei sagen, wie wird es heute in dieser Welt tun können solange sie jetzt nicht verfassungsfeindlich ist.

00:18:18: Das war absolut nicht möglich Und sie waren auf den Demos mit dabei, zum Beispiel.

00:18:23: Wir hatten gerade über das Foto gesprochen mit dem Fahrrad.

00:18:25: Was war es für Sie und wie haben Sie Ihre Mutter da wahrgenommen?

00:18:30: Meine Mutter ist ja eine sehr temperamentvolle Person!

00:18:35: Ich glaube noch mich zu erinnern dass meine Mutter sich mit diesen Volkspolizisten schon angelegt hat... ...und heftig diskutiert hat.

00:18:42: wieso weshalb?

00:18:42: warum Jetzt so eine Aufwand gemacht werden, weil fünfzehn Leute mit einem Fahrrad fahren und Blümchen und vielleicht noch ein Schild dran für saubere Umwelt.

00:18:50: So einen Stress zu machen.

00:18:52: Also die ist nicht nie ruhig geblieben.

00:18:54: Die hat sich eigentlich immer gerieben, sage ich mal, mit den Staatsorganen.

00:19:01: Und für Sie als Tochter war das dann peinlich.

00:19:03: oder haben sie gesagt ne, die Sätze für was Gutes sein?

00:19:06: Ich versuch's nur zu verstehen die Rolle da!

00:19:08: weiß ich nicht, ich war ja zehn.

00:19:10: Da waren mir meine Mutter noch nie peinlich.

00:19:13: Ich glaub, ich hab ne ganz coole Mutter.

00:19:15: Aber als ich ein bisschen älter war, hättest mich vielleicht nicht mehr so interessiert oder so ... Ich hab immer nur Schiss gekriegt, wenn sie sich mit jemandem angebrüllt hat, weil ich immer dachte, okay, also, ich wusste schon, dass Menschen verhaftet werden.

00:19:30: Das ist auch an mir nicht vorbei gegangen, weil solche Sachen wurden eben auch im Wohnzimmertisch abends mal diskutiert und es war so ... dass ich da auch oft irgendwo im Bestandteil in dieser Wohnung war, wenn meine Mutter zehn Leute hatte für Diskussionen und Arbeitsgruppen.

00:19:44: Und einfach zusammensetzen und treffen.

00:19:46: Es gab jetzt nicht so viele Kneipen wie wir das heute kennen, wo man einfach hingeht ... und unbeobachtet sich in Ruhe unterhalten kann.

00:19:53: Also hat man es zu Hause gemacht?

00:19:55: Dann saß ich natürlich entweder, als ich kleiner war, unter dem Tisch.

00:19:58: Als größer war vielleicht mal am Tisch, keine Ahnung.

00:20:01: Da ist das aufgefallen!

00:20:03: Aber trotzdem die Nachfrage.

00:20:04: Sie haben gerade erzählt, als Kind wussten sie, dass sich von der Stasi mitbeobachtet werden.

00:20:09: Sie wussten das ihre Mutter Dinge gemacht hat, die vielleicht nicht so auf Staatslinie waren in einer Frins- bewegung aktiver bis hin sogar zum Berufsverbot?

00:20:20: Wie war es als Kind eine Mutter zu haben, die auf dieser anderen Seite stand?

00:20:25: Für mich war's ja total normal, weil meine Mutter ... Ich weiß gar nicht wie andere Leute das wahrgenommen haben.

00:20:32: Ich weiß, dass es ganz am Schluss in der letzten heißen Phase so zwei Klassenkameradinnen gab.

00:20:38: Die nicht mehr zu mir nach Hause durften und die vorher immer zu mir kommen konnten.

00:20:42: Und das schien sich dann sozusagen rumgesprochen zu haben?

00:20:45: Dass bei meiner Mutter Hausdurchsuchung oder bei uns Hausdursuchungen durchgeführt wurden und dass wir sozusagen auf dem Kicker der Stasi sind.

00:20:55: Da wollte dann die Mutter meiner Freundin nicht mehr, dass sie kommt oder dass wir Kontakt haben.

00:21:01: auch In Ihrer Kindheit waren Sie bei den Pionieren?

00:21:07: Waren Sie später in der FDH?

00:21:09: Klar.

00:21:12: Ich hab da keine darüber nachgedacht, das war erstens, als ich in die Schule gekommen bin, meine Mutter war ... Wir waren nicht christlich.

00:21:19: Dass es sozusagen eine Ausweich- oder Gegenkultur gewesen war.

00:21:25: Das war für mich die einzige Kultur in der Klasse.

00:21:28: Alle waren bei den pionieren.

00:21:30: Ich hatte auch einen Amt.

00:21:32: Man wollte als Kind ... Einfach dazugehören und hat das mitgemacht.

00:21:37: Und natürlich bin ich auch in der achten Klasse in die FDJ gegangen, ohne das schon bewusst zu hinterfragen.

00:21:44: Ich glaube, dass wäre so zwei Jahre später gekommen, wenn ich selber meine Berufswahl hätte treffen müssen und gesehen hätte was ich hätte nicht werden dürfen – Mit dieser Mutter oder mit der Familie.

00:21:54: Und Sie wollten Schauspielerin werden?

00:21:56: Genau!

00:21:56: Das wäre mein Plan gewesen, das wäre vielleicht auch die einzige durchführbare Sache geworden in der DDR.

00:22:03: War das einfacher als andere Beruf?

00:22:04: Naja ja also wenn du Talent hattest war es für manche Menschen eine Nische wo du ein bisschen weg von diesen... Also Auch in der Schauspielschule gab es diese Rotlichtbestrahlung, wie man sagt.

00:22:19: Wir haben in der DDR-Box eine Schauspille, die uns ausführlich darüber erzählt hat ... Da bist du nirgendwo drum herumgekommen!

00:22:25: Aber du bist halt nicht so in diesen Kollektiven mit den ganzen anderen Betrieben und diesen Loosungen.

00:22:32: Unsere Leistung für den Sozialismus stand jetzt nicht unbedingt im Theatervorraum, weil das eben immer noch ältere Theater waren und vielleicht dann im ganz modernen.

00:22:40: Ich glaube da bist ein bisschen drumherum gekommen.

00:22:44: Jahre alt war, die Hauptrolle in so einem Defa-Kinnerspielfilm zu sein.

00:22:49: Kritter von Ratten Zuhause bei uns?

00:22:52: Genau!

00:22:52: Frater Erfinder, Mutter Gräfin und sie?

00:22:55: Nee, Mutter Versterben.

00:22:57: Schwiegermutter jung angeheiratete Französen, die da mit ihren zwölf Pagen in dieses abgerockte Schloss einzieht... ...und eine Sache ist super lustig.

00:23:08: ich bin.

00:23:09: Also, da gibt's eine drohende Rettungsmaschine.

00:23:11: Da wird man hochgeschossen und wir haben in Babelsberg in den Studios natürlich gedreht und war super schön

00:23:16: usw.,

00:23:17: aber die haben mich nicht diese zwölf- vierzen Meter da hoch geschossen sondern ein Stuntman.

00:23:23: Und weil es eben zu der Zeit offensichtlich keine junge Frau in meinem Alter gab, war sie ein Junge!

00:23:28: Und diesen Jungen habe ich jetzt schriftlich kennengelernt.

00:23:31: vor einem halben Jahr hat er sich bei mir gemeldet, weil er mir eigentlich seine Geschichte über seinen Republikflug erzählen wollte für die DDR-Box Und dabei ist rausgekommen, dass er mich gedubelt hat.

00:23:42: Dass er Artist war aus einer Artistenfamilie und das er aus Paris... Also er durfte in Gas spielen in Paris machen ein artistisches und ist von da nicht zurückgekommen.

00:23:51: Und es dann aber wieder in die DDR weil sie so vermisst hat und hat dann nochmal einen Ausreisantrag gestellt.

00:23:55: also ganz wilde Geschichte.

00:23:56: Aber ich habe mich sehr gefreut weil es hat mich daran erinnert.

00:23:59: Es war schon im meinem Leben zumindest eine schöne Lebendigkeit.

00:24:01: Ich hatte zu tun.

00:24:04: Sie wollten Schauspielerin werden?

00:24:05: Hatten sich sogar beworben an der Schauspichule Ernsten Busch.

00:24:09: Ja Gab es einen Tag, eine Nacht?

00:24:14: Ja.

00:24:17: Ich hatte diese Einladung schon auf dem Tisch.

00:24:19: Das wäre der achte Februar geworden und am ersten Februar ist die Freundin meiner Mutter zu mir gekommen.

00:24:26: ich war die erste nacht wieder in meiner eigenen wohnung sozusagen also unsere Und dann ist sie abends gekommen hat mir gesagt dass sich sozusagen freier entschieden hat die ausreise Sie hat das nicht wortwörtlich gesagt, die Ausreise zu stellen.

00:24:41: Aber vielleicht muss man diese Geschichte noch mal kurz aufdrüsseln?

00:24:46: Die sind ja nicht nachts in einem Bus mit verbundenen Augen an die Grenze gefahren worden und wie so ein saglästigen Müll abgekirbt.

00:24:54: Also sind sie natürlich trotzdem aber ein bisschen eleganter sage ich mal.

00:24:57: Die sind von dem Rechtsanwalt den meine Mutter hatte.

00:25:01: Den Wolfgang Schnur der nachweislich IM war.

00:25:06: Von dem sind sie ausgespielt worden, weil die saßen ja nicht in einer Zelle.

00:25:09: Und er hat meine Mutter gefragt, ob sie sich vorstellen könnte als ein Gegensatz zu so einer hohen Haftstrafe von sieben bis zwölf Jahren vielleicht einen Ausreiseantrag zustimmen, weil sie ihren Kind hat?

00:25:19: Da hat sie gesagt weiß ich nicht!

00:25:21: Dann ist sie zu Stefan gegangen und hat gesagt, ihre Frau trägt sich mit dem Gedanken einen Ausreiseantrag zu stellen.

00:25:26: Würden Sie mitkommen?

00:25:27: Ihre Mutter saß ja in Haft zu der Zeit.

00:25:28: Das müssen wir vielleicht noch mal sagen... Ja genau!

00:25:30: Also meine Mutter ist in HaFT hier worden.

00:25:31: Saß eine Woche in Hohenschönhausen.

00:25:33: Stefan schon die zweite.

00:25:35: Stefan war ihr damaliger Ehemann.

00:25:39: Der Liedermacher Stefan Kraftschick.

00:25:41: Genau.

00:25:41: also ich will mal nur Tahr sagen.

00:25:43: Entschuldigt der IM Also der Anwalt Schnur, der auch IM war.

00:25:47: Also alles weitergetragen hat und sicherlich auch im Sinne der Stasi agiert hat.

00:25:51: Hat die im Prinzip gegeneinander ausgespielt?

00:25:53: Er hat zwei-drei Mal die Zelle gewechselt und hat dem einen immer gesagt ja möchtest du nicht das?

00:25:57: und dann dem Stefan du oder die Frau trägt sich mit einem Ausreißedienst wirst du mitkommen.

00:26:02: Dann sagt er weiß er nicht und dann geht da wieder zu Freie und sagt ihr Mann würde mit kommen!

00:26:08: wenn sie den Ausreiseantrag stellen und dann sagt sie ja vielleicht mache ich das, vielleicht.

00:26:13: Und dann sagt er bei Stefan ihre Frau hat eben ausreise Antrag gestellt bis er sozusagen von beiden Seiten ein Jahr hatte.

00:26:21: so ungefähr war das und deshalb ging es dann so schnell.

00:26:24: und dann kam Ulrike wie gesagt in die Wohnung wo ich ja war und gerade wieder alleine sein wollte.

00:26:30: Wer ist Ulrike?

00:26:31: Ulrike ist eine der besten Freundinnen meiner Mutter In dieser Woche.

00:26:35: die vollmacht, die gesetzliche Betreuungsvoll Macht für mich.

00:26:38: Weil ich war ja grade vierzehn noch also ich bin fünfzehn geworden aber da bist du in der DDR auch noch minderjährig und meine Mutter hat am Morgen der Verhaftung eine Vollmacht geschrieben für zwei Menschen.

00:26:50: die andere Person ist auch verhaftet worden.

00:26:52: das heißt Ich bin zu Ulrike gekommen Und Ulrike kam sozusagen gerade von Bischof Vork Also vom Oberhaupt der Kirche sozusagen in der ddr Und der hatte ihr das dann vermittelt.

00:27:02: oder die haben das dann eben besprochen.

00:27:04: Dann hieß es, dass ich am nächsten Morgen abgeholt werde um sechs und dann habe ich im Prinzip... ...um mit ausreisen zu müssen?

00:27:10: Genau!

00:27:12: Wie haben Sie das in Erinnerung, wie haben Sie es erlebt?

00:27:14: Na ja, das ist nicht schön wenn eine vierzehnjährige aus ihrem Umfeld rausgerissen wird über Nacht also überhaupt nicht.

00:27:19: Das war mega scheiße.

00:27:21: Sorry für Schimpfort hier im Radio Nee, es war wirklich einfach ein Disaster.

00:27:28: Dann haben sie noch gesagt, du darfst schon keinem verabschieden.

00:27:31: Und da habe ich gesagt nö, ich verabscheide mich aber trotzdem!

00:27:34: Also ich gehe natürlich zu meiner besten Freundin und sage tschüss und dann hab' ich ein paar Sachen gepackt für Freie.

00:27:40: Ein paar Anziehsachen... Ich hab von meinen Sachen gar nicht viel eingepackt.

00:27:44: Fotos, Tagebücher sowas.

00:27:47: Und dann saßen wir am nächsten Morgen in diesem Bus.

00:27:50: Da saß noch jemand mit drin.

00:27:52: Und zwar einer der Zionskirchen.

00:27:57: Die Umweltbibliothek der Zionskirche ist im November, mit einer Razzia sozusagen von der Straße überfallen worden.

00:28:08: Und mehrere Menschen sind inhaftiert worden und einige wieder frei.

00:28:11: Und die Freundin von dem einen inhaftierten, da gab es noch eine Diskussion ob er eben auch in diesem zugenausreiseantrag steht, die saß mit in den Bus?

00:28:20: Und dann noch der Pfarrer, der uns rübergefahren hat Mitglied oder eine Person von der Stadtsicherheit.

00:28:27: Und Ihre Mutter und Stefan Kraftschick?

00:28:29: Nee, eben nicht!

00:28:30: Sie mussten ohne Mutter in dem Kleinbus?

00:28:34: Erst mal bis zur Grenze und irgendwann tauchte auf dieser total leeren Autobahn... Also auf der DDR-Autobahn war eh nicht viel los, gab jetzt nicht so wahnsinnig viel Verkehr wie wir das heute kennen.

00:28:46: Tauchte irgendwann nicht.

00:28:46: Das war morgens um zehn, halb zehn so ein zweiter Bus auf.

00:28:50: Da saß Stefan und Freierin mit noch drei Leuten.

00:28:53: Zu welchem Grenzübergang?

00:28:54: Wovon spreche ich mit denen?

00:28:54: Alleshausen.

00:28:55: A-Vier hinter Jena.

00:28:58: Wartburg die Ecke da hinten.

00:28:59: Einmal quer durch die Republike?

00:29:00: Ja!

00:29:01: Weil du ja auch nicht wirklich schnell fahren konntest auf diesen sehr kaputten Straßen.

00:29:05: Genau es hat dann also nochmal eine Weile gedauert.

00:29:07: Und woran ich mich aber auch erinnern kann ist ... Die haben uns in der Ausbürgerungsurkunde ins Auto gereicht... Also Die DDR ist ja sowieso das Land der Medaillen und Urkunden, aber dass du auch eine Urkunde kriegst.

00:29:21: Wenn du die Staatsbürgerschaft... Also wenn du aus dem Land gehst?

00:29:23: Ordnung muss sein oder?

00:29:24: Ordung muss sein.

00:29:25: Bis in die Ausbildung.

00:29:26: Richtig!

00:29:27: Und da stand dann fein säuberlich drauf, dass wir die Stadt aus der Staatsbürgerschaft entlassen werden.

00:29:32: Ganz kurz für... jüngere Menschen, die das hören.

00:29:35: Man wurde automatisch Bundesbürger.

00:29:37: Die Bundesrepublik hat jeden DDR-Bürger automatisch als ihren Bürger betrachtet.

00:29:41: D.h.,

00:29:42: die Prozedur der Eingliederung oder Einbürgerung in die Bundesrepolitik war super easy.

00:29:48: Nur dass ihr das wisst!

00:29:49: Das war auch wichtig, weil man eben nicht wie heute wenn jemand in ein anderes Land kommt und irgendwie Asyl oder dies oder das oder vielleicht so einen Antrag auf eine Bürgerung stellen muss, das war nicht so.

00:30:01: Sie haben gesagt, das war super Scheiße.

00:30:04: Waren sie richtig wütend auf ihre Mutter?

00:30:07: Die war so fertig ... Nee erst mal wütende ich nicht.

00:30:10: Ich glaub die hat ja genauso geheult wie ich.

00:30:12: Die saß an dem Bus und hat auch geheult weil ihr ist gleiche passiert als mir.

00:30:16: Die hatte also alle ihre Freunde verloren und alle ihre Sachen.

00:30:20: Man wusste nicht ob die jemals wieder kamen.

00:30:24: Und der ging es erstmal gar nicht gut.

00:30:27: Dann sind wir in ... Wir sind so über Kassel-Bielefeld nach Bethel gefahren.

00:30:36: Nicht der schönste Stadt in der Bundesrepublik, oder?

00:30:38: Kassle-Bilefeld.

00:30:41: Für mich war das interessant, weil es trotzdem viel bunter war als eine Kleinstadt in einer DDR allein wegen der Werbung und den bunderen Autos.

00:30:50: Da war irgendwie mehr Knallfarbe.

00:30:51: Aber ich war natürlich unglücklich.

00:30:53: Deshalb habe ich das nicht gewertschätzt.

00:30:58: Glimps, also so kleine Blicke gewesen die ich irgendwie im Vorbeifahren aufgenommen habe über diese neue Welt.

00:31:05: Und dann sind wir nach Betel gefahren und da war richtig rabatt.

00:31:11: Da standen zig Journalisten mit Autos und da landete noch ein Hubschrauber.

00:31:14: Ich dachte wo bin ich?

00:31:16: Dann wurde erst mal Pressekonferenz abgehalten.

00:31:18: Mich hat man gleich in dieses Haus von dem Pfarrer.

00:31:21: Das war nicht der Bruder vom Pfarrern, der uns gefahren hat.

00:31:24: Der wurde also in seltenen Fällen dafür sozusagen gefragt, Menschen ... Der lebt in der BRD?

00:31:31: Oder der war ... Der eine Pfarrer.

00:31:33: Ja, Pfarreraune.

00:31:35: Ganz toller älterer Herr!

00:31:37: Ich hoffe, dass er noch lebt und diesen Podcast hören kann.

00:31:39: Das ist nämlich wirklich ein super Person.

00:31:44: Und der hat dort den Stefanusstift, glaube ich hieß das geleitet.

00:31:47: Die sind solche Sachen, wenn so Austausch oder organisatorische Sachen zwischen den Grenzen zu fahren oder zu sagen ... Er hat mir erzählt später als ich mein Buch geschrieben habe, hab ich ihn noch mal interviewt weil ich mich natürlich auch nicht alles merken konnte und er hat mir nochmal alles im Ruhe erzählt.

00:32:03: Da hat er mir auch erzählt dass es nicht das erste Mal war, dass er sowas gemacht hat.

00:32:06: Genau dann sind wir da aber angekommen in diesem Haus Und da standen dann diese ganzen Journalisten, weil die DDR hat natürlich sofort gesagt, dass meine Mutter und Stefan freiwillig ausgereist wären.

00:32:17: Was ja nicht stimmte!

00:32:19: Also hätte der Rechtsanwalt im Schnur da nicht gegeneinander ausgespielt werden sie vielleicht sogar Tage blieben und es wäre gar nicht so gekommen sondern zu einem Verfahren, wobei man ja nicht weiß wie das ausgeht.

00:32:33: Die DDR wollte ganz offensichtlich ihre Mutter Sie als dazugehörige Tochter und den Stefan Kraftschick loswerden, weil sie sich politisch engagiert haben.

00:32:42: Weil die versucht haben, sich auch für Leute einzusetzen, die auf der Demo waren – das war ja die Anfang eighty-eightzig.

00:32:47: Kriegst du es richtig zusammen?

00:32:49: Ja!

00:32:49: Aber die wollten Sie nur deshalb loswerdeten, weil das ganze Ding in diesem Januar so populär geworden ist.

00:32:58: Also mit Medien.

00:32:59: Stefan ist zu dieser Demo.

00:33:01: Ich glaube, es war der siebzehnte Januar.

00:33:04: jeden zweiten Sonntag Also jedes Jahr im Januar, am zweiten Sonntag war eine große Kalibknecht-Demonstration.

00:33:12: Wo die gesamte Staatsführung inklusive Westfernsehen und Pipapo zum Friedhof der Sozialisten zum Tierpark gezogen sind, dann wurde da gedacht der ganzen Kommunisten usw.

00:33:24: Stefan hat sich gedacht er hält einmal einen Transparent hoch gegen Berufsverbot in der DDR.

00:33:29: Der ist gar nicht bis dahin gekommen.

00:33:30: Die haben den einfach schon an der U-Bahn Hops genommen.

00:33:34: Meine Mutter hat natürlich gemerkt, Stefan kommt nicht nach Hause.

00:33:38: Rief nicht an, meldete sich nicht, kam nicht vorbei und dann hatte sie sich Sorgen gemacht.

00:33:43: Aber das spricht sich halt auch ganz schnell rum.

00:33:45: Wir hatten ja ein Telefon.

00:33:47: So eine Information hast du dir trotzdem weitergegeben?

00:33:51: Das heißt, sie wusste recht schnell dann, dass er verhaftet wurde.

00:33:53: Und dann hat sie ... Ich weiß nicht ob sich die Westmedien bei ihr gemeldet haben oder Sie sich bei den West-Medien aber sie hatte Kontakte.

00:34:00: Sie hat einen Videoaufruf gemacht.

00:34:03: Ich meine das der am Donnerstagabend also drei Tage später nach Stefans Verhaftung gesendet wurde im Bundesdeutschen Abendfernsehen so und das war für die DDR glaube ich die Nummer zu viel weshalb freier dann am darauf folgenden Montag verhaftet wurde wegen staatsfeindlicher Hetze und landesverräterischer Verbindungsaufnahme oder Agententätigkeit.

00:34:27: Also es gibt da zwei Paragrafen, genau!

00:34:30: Und weil das aber so hochgekocht ist also weil dann der Westen schon so bescheid war ich meine der Stefan war am Abend vor der Ausbürgerung.

00:34:37: Das ist wirklich wichtig zu wissen War er auf dem Cover des Spiegel?

00:34:42: Am Montag, dem ersten Februar Rebellion hinter der Mauer.

00:34:47: Ein Riesending, eine riesen Story!

00:34:49: Da wusste noch niemand, da wusste mir selber nicht mehr, dass wir ausgebürgert wurden und der Spiegel kam am Montagmorgen zu dieser Zeit.

00:34:55: Jetzt kommt er samstags raus aber das war wirklich immer so typisch Montag-Morgenspiegel.

00:35:00: Das heißt, da hat es Wellen geschlagen und wir wissen auch nicht ob die erst darauf reagiert haben weil dieses Spiegellcover ja schon.

00:35:06: also wenn man jetzt mal rückbecken denkt könnte es ja auch so sein, dass sie gesagt haben ah das ist ja ein Spiegelcover.

00:35:11: jetzt geht's hier richtig rabatt und richtig laut.

00:35:13: lass uns die abschieben So, dann sind wir los.

00:35:17: Lass uns den Weg finden!

00:35:19: Vielleicht war es so, ich fahre nicht dabei.

00:35:21: Und das steht nicht in den

00:35:22: Akten.".

00:35:22: Was man dazu wissen muss, in der DDR-Wasser schwierig an solche Informationen zu kommen.

00:35:26: Genau dieses Hinterdamerber Kochs ist passiert was in die DDR.

00:35:29: Es engagieren sich Leute... Das hat man ja in der DDR aus dem West mit den erfahren weil jemand das an die Westmedien gegeben hat.

00:35:35: und dann wurde es wieder gespiegelt entweder weil Zeitschriften geschmuggelt wurden oder wir alle in DDR-Westfersingen gucken konnten.

00:35:42: einen anderen Weg gab's da nicht ne?

00:35:44: Das war der Weg!

00:35:45: Genau.

00:35:45: Also war das immer wichtig, wenn du Kontakte, also wenn du dich so geäußert hast... Wenn du natürlich Kontakte zu bundesdeutschen Journalisten hattest zum Beispiel oder Radiomachern oder Autoren, also einfach das auszutauschen und die waren natürlich sehr interessiert daran.

00:36:02: Das war ja anders als heute wo diese Thematik gar nicht mehr stattfand, fanden wirklich diese deutsch-deutsche Thematiken jeden Abend im Heute-Journal und in der Tagesschau statt.

00:36:12: Das hat nach der Wiedervereinigung noch fünf Jahre gedauert, dann war das weg?

00:36:16: Dann gab's das gar nicht mehr!

00:36:18: Und das hat man natürlich genutzt – und natürlich waren auch Westjournalisten daran interessiert wie gehts ihren Kollegen?

00:36:25: oder wenn Menschen, wenn Autoren oder andere Journalisten sich äußern würden?

00:36:28: aber in der DDR konnte kein Journalist schreiben was er wirklich dachte.

00:36:32: also es ist ja auch durch Fünfzig Prüfstellen gegangen und im Theater war es halt nicht ganz so extrem.

00:36:37: Da hat dann aber die Intendanz irgendwann gesagt oder das Kulturministerium, so Frau Klier Sie kommen mal!

00:36:42: So hat sie ja Berufsverbot bekommen.

00:36:44: Das Stück war gefeiert Aber da saßen natürlich genug Leute drin, die diese Kritik gehört haben Und das waren weitergetragen haben.

00:36:50: Dann hat man ihr sozusagen Berufsverbot gegeben Stefan die Spielerlaubnis entzogen.

00:36:55: Als Musiker hast du ja eine Spielerlaubnis Sonst darfst du gar nicht auftreten Genau.

00:37:00: Und dann von da an hatten die beiden in ihrem jeweiligen Beruf als Liedermacher, Sänger und als Regisseurin Berufsverbot.

00:37:08: Die Kinder der anderen?

00:37:10: Uns interessiert natürlich.

00:37:11: wie ging ihr Leben weiter?

00:37:12: nach dieser Ausbürgerung?

00:37:14: Hat ihr Leben eine Wende vollzogen.

00:37:16: Fragezeichen Hatten sie Kontakt zu ihren Freundinnen?

00:37:20: Was war mit dem Traum der Schauspielerei?

00:37:22: Also zwei Tage nach dieser Pressekonferenz bin ich Von Hannover Nach Berlin Ich meine, es war Tempelhof geflogen.

00:37:32: Über die alte Heimat hinweg?

00:37:34: Weil es gab für uns Einreise- und Transitverbot.

00:37:37: Also wir durften den Boden der DDR nicht betreten aber auch nicht durchqueren.

00:37:40: Auch nicht in einem Bundesdeutschen Zug oder Bus.

00:37:42: Was habe ich dann immer fliegen musste bis zum Mauerfall?

00:37:46: Mein Vater lebte schon in West-Berlin seit neunzehundertundundsiebzig.

00:37:50: Er hatte einen Ausreisettantrag auf Familienzusammenführung zu seinem Bruder, der ist noch kurz vor Mauerbau geflüchtet und das hat ihn dann irgendwann stattgegeben.

00:37:59: Dann war ich erst mal kurz bei dem, der aber total überfordert mit einer fünfzehnjährigen.

00:38:03: Der kannte mich das letzte Mal so als Zweijährige.

00:38:07: also es hat überhaupt nicht funktioniert.

00:38:09: Also weder von meiner Seite noch von seiner Seite.

00:38:11: Aber... Ich hatte eine Freundin Das war auch eine Freundin meiner Mutter.

00:38:17: Und die ist ein Jahr vorher, hat den bundesdeutschen Journalisten geheiratet?

00:38:22: Also auch echte Liebe wirklich!

00:38:24: Die sind heute noch zusammen ganz süßes altes Pärchen und sie hat sozusagen auf legalem Weg mittels Heirats die DDR verlassen.

00:38:32: Das heißt ihre Tochter und die Familie lebt jetzt ganz nahe um die Ecke meines Vaters in Friedenau schon seit einem Jahr und die haben gesagt komm doch zu uns.

00:38:44: Und das war super.

00:38:45: Da hatte ich sozusagen Exossis, aber auch kluge Menschen mich rum.

00:38:50: Meine Mutter war ja erst mal beschäftigt damit eine Wohnung zu finden irgendwie auch klarzukriegen weil die war ja älter was sie da eigentlich zu verarbeiten hat und dabei ging es bei mir darum in die Schule welche schule und so weiter.

00:39:03: dann bin ich natürlich auf die gleiche schule gegangen wie Claire zur hessiv das Mädchen Weil sie meinte du musst in diese schuld gehen.

00:39:10: da ist russisch zweite fremdsprache.

00:39:12: Da hab ich noch gedacht, ey nie.

00:39:14: Nie wieder!

00:39:16: Nie wieder Russisch habe ich keinen Bock drauf.

00:39:18: und dann meinte sie nee warte mal du hast ja auch noch zwei andere Fremdsprachen und wenn du mit zwei Fremdsprachen komplett neu anfängst das geht nicht.

00:39:24: Schaffst du nicht?

00:39:25: Und es ist auch so... Es war das Auffangbecken von West-Berlin für Aussies.

00:39:30: also in meiner Klasse waren von dreißig Schülern vormundzwanzig aus dem Osten Und es war wie ein... Also ehrlich gesagt, es war meine Rettung.

00:39:37: Wäre ich in Bielefeldkeld strandet oder irgendwas?

00:39:40: Ich weiß nicht, ob das aus mir geworden wäre!

00:39:42: Aber war dann Ihre Rettungen, dass die wussten, wie Sie aufgewachsen sind oder dass sie ähnliche Sachen geteilt haben?

00:39:47: Genau!

00:39:48: Die waren früher bei den Pionieren und da haben Nussbeflocken gegessen?

00:39:51: Richtig, genau.

00:39:52: Es ist einfach ein Stückchen Alltag gewesen.

00:39:54: Ja.

00:39:55: Also ich musste mich ja an ein neues Gesellschaftssystem orientieren An einem neuen Ort, auch wenn der nur sechs Kilometer weiter weg ist.

00:40:02: West-Berlin sah so anders aus als Ostberlins kann man sie überhaupt nicht vorstellen.

00:40:06: Das eine war der Schmelztiegel, Multikulti und das andere waren triste Straßenhochhäuser an den Stadtrennern und kaputte Straßenzüge in der Innenstadt außer vielleicht da wo Erich Honika mit seiner Limousine lang gefahren ist?

00:40:21: So!

00:40:22: Und deshalb war ich eigentlich... ganz happy, dass ich zu diesem ganzen Lehrplan der echt anstrengend war und ich bin schlecht in nach Schule geworden danach.

00:40:30: In der DDR war ich ganz okay in Nachschule aber ich konnte Abi machen Ich konnte endlich richtig vernünftig Englisch lernen Französisch war schwierig aber mein fünf Jahre irgendwie Und da gab es ja auch andere die Republikflucht gemacht haben.

00:40:48: also zum Beispiel mein erster Freund im Westen Sascha, der ging auch in meine Klasse.

00:40:53: Der ist mit seiner Familie für hunderttausend Westmark im Diplomatenwagen geflüchtet.

00:40:58: In zwei Etappen.

00:40:59: Erst die Mutter und die Tochter.

00:41:01: Und drei Tage später ... Das musstest du erst mal geheimhalten.

00:41:03: Dann der Vater mit dem Sohn.

00:41:06: Und Sascha ging's wie mir.

00:41:07: Sascha hat nicht zwölf Stunden vorher erfahren, dass er raus muss oder rausgeht?

00:41:13: Er hat es zwei Stunden vorher erfahren.

00:41:15: Sein Vater hat ihn im Prinzip ... angetippt und hat gesagt, wir steigen jetzt in dieses Auto.

00:41:20: Und wir fahren jetzt

00:41:21: los.".

00:41:21: Und er wohin wie was?

00:41:23: Nicht reden!

00:41:23: Wir fahren jetzt

00:41:24: Los!".

00:41:24: Und dann hat das ihm sozusagen erzählt... Die haben da noch dreimal die Autos gewechselt, haben einen ganz tollen Podcast so gemacht wenn ihr auch mal hören wollt.

00:41:30: Wie heißt der?

00:41:32: DDR-Box.

00:41:32: Da gibt's Republikfluchtfünf-Podcasts und es ist Teil fünf Flucht im Diplomatenwagen.

00:41:38: Verlinken wir ihn den Shownoten?

00:41:39: Super gerne weil ... Und wir haben uns gemerkt zur DDR-box noch Es geht um das was Menschen über ihre Jugend erzählen also wie sie in der DDR aufgewachsen sind, was sie erlebt haben auch mit Flucht.

00:41:50: Genau ganz unterschiedlich.

00:41:52: wir haben ganz viele Themen.

00:41:52: bei mir war das so wichtig.

00:41:54: die Alltag ist ja es ist ja nicht jeder geflüchtet.

00:41:56: manche Menschen haben eine Ausbildung gemacht aber die Männer mussten alle zur Armee es sei denn Sie waren so mutig Bausoldar zu werden oder zu verweigern und ins Gefängnis zu gehen also dass es beides Beides furchtbar gewesen.

00:42:09: Also die Männer mussten da durch und jeder hat so seine Erfahrung mit der DDR gemacht, ne?

00:42:15: Also manche sind wie Ingo wegen Republikflucht verhaftet worden oder weil er gerufen hat Die Mauer muss weg.

00:42:20: als achtzehnjähriger sieben Monate jugendhaft.

00:42:24: Und es ist Wie gesagt Es ist nicht jeder ins Gefängnis gekommen.

00:42:26: es sind auch Menschen in einer ddr-box zu sehen die staatskonform aufgewachsen sind.

00:42:31: sogar und Darf ich mal fragen ist die ddr box für Sie jetzt So dreißig Jahre später so was gewesen, um das zu verarbeiten und aufzuarbeiten?

00:42:42: Nicht wirklich.

00:42:43: Ich habe ja ein Buch geschrieben.

00:42:44: Um mein Thema, meine Ausbürgungstrauma der Entwurzlung

00:42:48: usw.,

00:42:49: habe ich im Jahr zwei Tausend zwölf ein Buch geschrieben oder anders.

00:42:56: Ich bin gefragt worden ob ich einen Essay in einem Buch schreiben kann.

00:42:59: Das war das erste.

00:43:00: Das habe ich gemacht.

00:43:01: da sind die Kinder von den revolutionäreren Eltern zu Wort gekommen und haben sich geäußert.

00:43:07: Und da habe ich das erste Mal gemerkt, dass das eigentlich eine Baustelle ist, die ich noch nicht fertig hab.

00:43:12: Weil als ich in Westen gekommen bin, in den Eintracht, habe ich erstmal einfach weiter funktioniert.

00:43:17: dann hat sich so doch irgendwie dieser Alltag in mein Leben eingeschlichen.

00:43:20: aber ich habe es nie verarbeitet und nie bewusst besprochen wie wir das jetzt hier vielleicht tun am Tisch auf jeden Fall habe ich ein Kind bekommen und habe dann im Zuge, als mein Sohn geboren wurde, Stress mit dem Vater gehabt.

00:43:32: Der Vater ... Ich hab gesagt, lass uns eine Familientherapie

00:43:35: machen.".

00:43:36: Dann ist der einmal mitgegangen und meinte so ganz frech, ich brauch keine Therapie, aber du vielleicht!

00:43:42: Heute weiß ich, dass er das gar nicht böse meinte oder was anderes meinte.

00:43:47: Er meinte nicht meinen Familienverhalten, sondern um zu gucken, was da noch los ist.

00:43:51: Und ich hab dann eine Traumatherapie mit der Therapeutin gemacht, die ist übrigens ganz toll, so ne EMDR Traumaterapie, die genau solche Sachen, also die rechte und linke Gehirnhälfte sehr schnell wieder vernetzt.

00:44:03: Und gleichzeitig so wie kleine Schubläden oder Fässer aufmacht, die ganz tief in uns drin sind, die wir im Alltag oder im realen Leben gar nicht frei zugänglich bekommen.

00:44:13: Da wurde die fünfzehnjährige Natja wieder rausgeholt?

00:44:15: Richtig, ja, genau!

00:44:17: Also wenn man das technisch sagt kann man sagen ich habe ein inneres Kind in der DDR verloren vergessen und bin sozusagen nicht richtig proportional erwachsen geworden, und habe mir das dann später zurückgeholt als mein Kind geboren wurde.

00:44:30: Und dann hab ich das Kognitiv verstanden?

00:44:33: Dann hab' ich angefangen in Buch zu schreiben – in Etappen, also es hat so zwei Jahre gedauert, im Jahr zwei Tausendzehntein, siebzehn, achtzehn oder so.

00:44:41: Und ich hab ne Yoga-Lehrer Ausbildung gemacht!

00:44:44: Nur dadurch habe ich das auch körperlich verarbeitet.

00:44:48: Weil das eine ist, dass du verstehst was dir passiert ist und das andere ist, daß du dir kein und anderen Menschen keine Vorwürfe mehr darüber machst, sondern dich so akzeptierst wie du bist mit all deinen Macken und Gaben.

00:44:59: Ich hab grad noch versucht um Kopf nachzurechnen in achtund achtzig zwölf Jahre bis so bis zu mir tausend dann nochmal sechsten Jahr dazu fast dreißig jahre später.

00:45:07: Genau.

00:45:08: manchmal dauert's so lange Bis lang.

00:45:12: Das ist lang, ja.

00:45:14: Bis ich diese Traumotherapie gemacht habe, hab ich überhaupt nicht gewusst, was mir fehlt?

00:45:19: Ich hab hinterher verstanden, dass ich vorher nicht vollständig war und das ist das Verrückte.

00:45:24: Also es fehlte nur ... Damit ich's verstehe, es fehlt ein Stück Erwachsenen werden?

00:45:28: Ja, auch ein Stück innere Sicherheit.

00:45:31: Wenn man ganz geborgen aufwächst und alles funktioniert dann und man nicht als Kind oder junger Mensch negative Erfahrungen macht wie häusliche Gewalt oder dass du, weiß ich nicht einfach, nicht okay behandelt wirst.

00:45:45: Kann ja auch verbal sein ne?

00:45:46: Oder dass du nicht beachtet wirst.

00:45:47: Es gibt so viele Eltern die ihre Kinder genau so behandeln, die es nicht mal merken und die Kinder haben Schaden fürs Leben weil das innere Kind sich nicht voll entfalten kann.

00:45:57: Und man sagt doch, dass das erst abgeschlossen ist wenn du zu vielen zwanzig fünfundzwanzig bist also nicht wenn du achtzehn bist.

00:46:03: Das ist was Psychologen und Pädagogen meinen mit ausentwickelt Genau.

00:46:08: Und ich hab das eben erst sehr, sehr spät gekriegt.

00:46:12: Leimer, der ganz kurz beim Heute.

00:46:14: haben Sie heute das Gefühl ... Ich wurde von heut auf morgen aus meinem Umfeld gerissen, aus meinem Zuhause vor meinen Freunden wegverarbeitet?

00:46:26: Oder ist das was ... Entschuldigung, wenn es ein bisschen naive Frage ist, aber ist das etwas, was sie in Leben lang begleitet?

00:46:32: Ähm ... Jain also... Ich habe mich ja jetzt entschieden, Bildungsarbeit zu machen mit der DDR-Box.

00:46:38: Da kommen wir noch mal ganz kurz dahin zurück.

00:46:40: Letzter Satz dazu... ich hab also nicht mit der DDR-Box selbst meinen Trauma aufgearbeitet.

00:46:45: Das habe ich mit dem Buch vorher getan, mit meinem eigenen, und dann hab' ich mit diesem Buch Lesungen gemacht an Schulen.

00:46:55: Und hat gemerkt die wissen gar nichts.

00:46:57: Gar nichts!

00:46:57: Also die im Osten natürlich noch mehr als die im Westen aber die im Western wussten gar nichts.

00:47:01: Bis ein paar Neunzig verstand DDR noch viel deutlicher auf dem Lehrplan.

00:47:05: Das hat sich alles geändert, jetzt soll es ganz rausfliegen, wo ich gedacht habe, das geht nicht.

00:47:08: Ich meine, das ist eine Viertel der Bevölkerung.

00:47:12: Das muss drin bleiben und erhalten bleiben und auch im Kontext der deutsch-deutschen Geschichte gesehen werden.

00:47:20: Und dann hab' ich angefangen einen Zeitzügeninterviews gemacht.

00:47:22: Da hab' mich für so ne Förderrunde, für so eine ganz große beborgen.

00:47:26: Dann haben wir diese Förderung gekriegt, dann haben wir mit Zeitzeugeninterviews angefangen.

00:47:30: Mit Erklärvideos und das Schöne an der DDR-Box ist aber weil ich gedacht habe okay... Wir wollen es ja nicht für Fünfzigjährige machen die dürfen aber auch gucken!

00:47:37: Wir wollen das für junge Menschen machen.

00:47:38: also haben wir gesagt wir machen es mit jungen Menschen.

00:47:40: Das heißt beim Jugendlichen Moderatoren werden zwar von uns gebrieft wir arbeiten es zusammen.

00:47:44: Ich erwarte nicht vor einem sechzehnjährigen dass er den gesamten schichtlichen Kontext der DDR versteht.

00:47:50: Wozu?

00:47:52: Fällt uns ja manchmal.

00:47:53: Richtig, aber junge Menschen führen sich einfach viel leichter angesprochen und hören lieber zu wenn es auch eine junge Person ist die es moderiert.

00:48:00: und ich sage mal jetzt nicht so ne alte Schachtel wie ich das bin oder so im Verhältnis.

00:48:04: Und dass funktioniert ganz gut durch diese Arbeit.

00:48:08: und dass ich eben auch mit dieser DDR-Wuchs oder mit meinem Buch oder auch mit meinen Mörnengo der ja auch so eine krasse Geschichte hat an Schulen gehe und wir Workshops und Vorträge dazu machen Beschäftige ich mich jetzt natürlich regelmäßig.

00:48:20: Es ist schon ein Teil meines Lebens, aber nicht ausschließlich.

00:48:25: Ich definiere mich nicht drüber.

00:48:26: Bin ja Fotografin und liebe meinen Job.

00:48:29: Wie ist das in der Eingelfamilie?

00:48:30: Der Umgang mit der eigenen Geschichte?

00:48:32: Sie haben einen Sohn.

00:48:34: gibt es da diese Gespräche genauso?

00:48:36: Ja wir reden ganz viel.

00:48:37: also mein sohn ist ein für sein alter extrem kluger Junge Unfassbar.

00:48:42: was der alles wahrnimmt und schon weiß liegt aber auch daran dass hier über alles, auch über Politik in der ganzen Welt viel sprechen.

00:48:50: Ich finde es interessant weil mich hat eben vor zwanzig Jahren Politik gar nicht interessiert.

00:48:54: ich habe mich ja nachdem meine Mutter also nach der Ausbürgerung und dann im Westen wieder Abitur machen dürfen ich hab mich davon diesen politischen so mit Absicht abgewendet.

00:49:04: mir war das wahrscheinlich einfach zuviel als Jugendliche.

00:49:07: Ich wollte dann vielleicht doch ein ganz normales durchschnittliches Leben haben und nicht immer in diesem Fokus dieses gesellschaftlich politischen Sein, meine Mutter hat das natürlich weitergemacht.

00:49:16: ich bin ja irgendwann erwachsen geworden aber jetzt ertappe ich mich selber dass ich mich wieder sehr dafür oder überhaupt seit mehreren Jahren sehr doll dafür interessiere.

00:49:26: Und der Louis ist hier groß geworden am Tisch und wir unterhalten uns natürlich sehr viel über all diese Sachen über AfD-Wahlen Quoten und warum die Gesellschaft sich so verändert.

00:49:38: Und warum sie so extrem nach rechts rückt, was es bräuchte und was junge Menschen sich wünschen und was sie aber leisten müssten.

00:49:44: also das sind echt spannende Sachen.

00:49:48: Das heißt wir hatten ja ganz vorhin am Anfang des Gespräches dieses ihre Mutter konnte wollte nicht über das reden was sie auch beschäftigt hat.

00:49:56: bei ihnen.

00:49:56: ganz wichtig dieses Reden.

00:49:59: Ja, also meine Mutter... Ich glaube das ist das was ich meine.

00:50:02: Das hat ja auch alles.

00:50:03: dreißigvierzig Jahre her.

00:50:05: in der DDR hast du es einfach... Du hast es dann gemacht weil du warst in dieser Situation.

00:50:09: Das war vielleicht schon so ein Überlebensmodus wo man sagt ich komme da nicht raus oder ich will da auch nicht raus?

00:50:16: Ich weiß nicht ob meine Mutter wenn ich erst sechs Jahre alt gewesen wäre auch so straight gewesen wäre oder ob sie sich vielleicht ein bisschen mehr zurückgehalten hätte.

00:50:23: Ich kann's nicht sagen!

00:50:23: Ich stecke mich in ihrer Rolle.

00:50:26: Sie sind die Tochter.

00:50:28: Ich weiß aber nicht, wie ich mich jetzt zum Beispiel verhalten würde.

00:50:31: Wenn ich ein Sohn hätte und ich in der DDR groß geworden wäre als Sie, wie weit ich gegangen wäre, ob ich gesagt hätte, nee, ich bleibe ein bisschen leiser und gucke dass sich für mein Kind da sein kann und nicht irgendwo weginhaftiert werde oder ob ich sage ne das ist so wichtig für die Gesellschaft Das muss gesagt werden.

00:50:48: und egal mit welcher Konsequenz Die war ja nicht absehbar In keiner Hinsicht.

00:50:52: also man wusste wenn man sie verhaftet wird es was geben.

00:50:55: Aber wie hoch ist es, dass das ein Strafmaß zwischen sieben und zwölf Jahren ist?

00:50:58: Das wusste keiner.

00:51:01: Jetzt müssen wir natürlich noch mal auflösen.

00:51:02: in dem Sinne Sie sind achtundachtzig dann nach Westberlin geflogen Dann haben sie auf der anderen Seite der Mauer Auf ihre halbe.

00:51:11: Altherheimat war gar nicht so weit weg Und irgendwann war die Mauer auf am neunten November.

00:51:18: Wie war das für Sie?

00:51:19: Ich meine plötzlich gab's da diesen Zugang wieder oder Ich hab ja den Mauerfall, also erstens.

00:51:26: Ich werd das ganz oft gefragt vom Jugendlichen?

00:51:28: Nee es ist eine schöne Frage wo warst du bei dem Mauerfallen?

00:51:31: oder was hat's mit dir gemacht?

00:51:33: Ich habe es in der Tat mehr oder weniger verschlafen.

00:51:36: Es waren Donnerstagabend im November.

00:51:39: ich habe für ne Klausur gelernt ich war wie gesagt nicht besonders in der Schule und auch Pubertär und natürlich auch schon mit Alkohol und Rauchen unterwegs und Feiern usw.

00:51:51: Hab gelernt und meine Mutter, ich weiß sie ist noch irgendwie reingekommen hat das gesagt.

00:51:54: Ich glaube für sie war es auch so ziemlich wow!

00:51:58: Wahrscheinlich hat sie den ganzen Abend telefoniert, hat mich aber schlafen lassen... ...ich bin aber am nächsten Morgen zur Schule gefahren und wie gesagt es gab keine Handys kein Internet und es gab keiner so eine Riesen-Displace wie wir jetzt hier diese Walls haben an den Bushaltestellen wo du alles digital gleich erzählt bekommst jede News.

00:52:14: Ich bin also irgendwann an so einem Kiosk vorbeigelaufen und da hat die Bildschlagzeile ein Bild ganz groß.

00:52:20: Die Mauer ist weg, ich so.

00:52:22: Klarbild!

00:52:24: Du bist das Bescheid?

00:52:25: Die Mauer ist weg... die übertreiben immer.

00:52:26: Wir wissen es ja und dann war aber die Aufregung in der Schule extrem weil wir ja alle aus dem Osten waren.

00:52:33: Das heißt uns hat uns alle beschäftigt.

00:52:35: Wir haben ja alle Verwandtschaften noch da.

00:52:37: manche konnten ihre Verwandten sehen manche sind ja auch geflüchtet und durften sowie ich auch nicht in den Osten rein oder waren über sechzehn damals noch schwieriger.

00:52:46: Und er haben jetzt irgendwie durch diese Klausur ob das englisch ich klaus für englische oder französisch Gequält.

00:52:51: Und dann kam unser Deutschlehrer und meinte, haut ab!

00:52:53: Schönes Wochenende ich lass euch gehen.

00:52:55: Hat sie erlöst?

00:52:56: Ja, der hat Verständnis gehabt.

00:52:59: Der hat gewusst das ist ein großes Ereignis unter Jugendlichen in dieser Schule die alle fast alle aus der DDR kommen wegen dieses bekloppten Russisch Unterrichts haben jetzt einen Bedarf und habe mich nach Hause gekommen.

00:53:09: und irgendwie eine Stunde später klingelt es schon an meiner Tür.

00:53:11: und dann kam Ostfreunde ja wir wollen mal gucken wie du wohnst und oh und der Witz dass ich im West-Berlin genauso nah an der Mauer gewohnt habe wie in Osten, nämlich vierhundert Meter.

00:53:23: Okay wann sind Sie losgelaufen?

00:53:24: in den Osten?

00:53:26: Äh abends!

00:53:27: Am gleichen Abend hab' ich gedacht okay wenn die alle rüber kommen dann gehe ich jetzt in den Ostern und dann... habe ich meine Freundinnen gesucht, meine Freundin Anna.

00:53:37: Die hat damals im Theater gearbeitet.

00:53:39: Ich weiß nicht, bin dann auch da geblieben.

00:53:41: Ich hatte aber nichts dabei außer meiner BVG-Karte.

00:53:45: Also gegen diesen Stroms gab ja keiner Kontrollen.

00:53:47: Die sind alle in Richtung Westberlin geströmt und ich halt mit ganz, ganz wenigen anderen Menschen ... Vielleicht waren die anderen eben ein paar Journalisten oder Menschen ... War verrückt in die falsche Richtung laufen?

00:54:00: Genau!

00:54:01: Und dann bin ich.

00:54:01: am nächsten Tag wieder wollte ich ja mit Anna wieder in den Westen.

00:54:06: Weil die meinte, jetzt will ich mal gucken wo du wohnst.

00:54:08: und da haben wir aufgehalten worden weil wenig los war an der Grenze also sehr wenig los weil es recht früh war vormittags Und da hatte ich nichts dabei.

00:54:16: und dann ging das telefonieren los.

00:54:19: und dann habe ich gedacht Mist ey Du bist sechzehn, du bist minderjährig Das ist immer noch die DDR und du hast kein Visum, du hast nichts.

00:54:27: Die könnte ich jetzt hier behalten und hab echt eine Panikattack gekriegt Genau.

00:54:32: Und dann haben sie mich aber gehen lassen und haben gesagt, Frau Klier bitte besorgen Sie sich für die nächste Einreise in die deutsche demokratische Republik ein gültiges Visum.

00:54:42: Krass Geschichte!

00:54:43: Also auch diese vom neunten November noch machen?

00:54:46: Ja... Aber heute sitzen wir wieder in Westberlin und führen dieses Gespräch.

00:54:52: Wie kommt's?

00:54:54: Warum wenn ich in Ostberlin sitze?

00:54:57: Also erstens war die Wohnung nicht mehr frei die wir ja verloren hatten.

00:55:03: Ich bin nach Mauerfall sozusagen, nach Schulende also hab dann Abi gemacht, drei neunzig, vierneinzig ich glaube ich bin sechsneunzig in den Osten gezogen und dann hat eine Freundin auch um Ostern gewohnt, die ist da nach Italien gegangen, dann habe ich irgendwie zwei Jahre lang ihre Wohnung und ihre Katzen gehütet.

00:55:20: Dann sind wir wieder ein bisschen näher aus Pankow in Imprenzlauer Berg Und dann hab' ich Louis Vater kennengelernt der war Kameramann und er lebte hier in dieser Straße, in der ich jetzt wohne Und dann mich natürlich schwanger geworden.

00:55:33: Dann hat er gesagt, glaube nicht, dass ich um mein Kind zu sehen ständig in diesem bekloppten Prenzlauer Berg fahre.

00:55:41: und dann habe ich gedacht es ist ein guter Moment hier die Zelte abzuberechen.

00:55:46: Ich war ja ein Kreuzberg groß geworden und bin der zweiten Teil meiner Jugend.

00:55:50: Ost und West spielt in dem Fall keine Rolle mehr sondern es sind Stadtteile wie sie heute auch sind.

00:55:56: Es sind Stadt-Teile aber das spielt schon noch eine Rolle.

00:56:02: Also ich finde ja erstens, ich sehe immer und weiß immer genau ob ich im Osten oder am Westen bin.

00:56:08: Also nicht nur wegen der Markierung um Boden sondern weil ich die Stadt einfach verdammt gut kenne also kann das wirklich auch ein Meter sagen.

00:56:15: Also vielleicht jetzt nicht irgendwo in Pankow oben an einer Grenze aber alles was Innenstadt ist, kenne ich wirklich gut.

00:56:21: Natürlich in Lichtenberg und diesen ganzen Weißensee sind noch total östliche Leute.

00:56:27: Ich hab kein Problem mit Aussies überhaupt, ich bin ja selber einer.

00:56:31: Aber ... ich finde das Leben im Westteil dieser Stadt irgendwie entspannter, weil nicht so viel weggentrifiziert wurde?

00:56:42: Ja also hier in dieser Straße in Kreuzberg habe ich trotzdem ... Ganz viele Kulturen und es ist eben nicht nur spanische oder dänische Touristen, die viel Geld haben.

00:56:53: Und mit ihren Rollkoffern durch die Oderberger Straße rollen weil das ist nämlich dort so geworden Hätte ich auch keine Lust drauf.

00:56:59: also Ich finde das Leben hier ein Hauch normaler als in den zentralen ehemaligen Ostberliner Bezirken wie Prenzlauer Bergmitte.

00:57:08: Was gibt's denn da noch?

00:57:09: So'n bisschen Friedrichshain und sowas alles sehr fancy und sehr hip.

00:57:13: Ja, ist nicht schon meins Wir haben es am Anfang gesagt.

00:57:18: Fluchtversuch, Haft in der DDR, Berufsverbot alles ihrer Mutter.

00:57:22: Sie wurden ausgebürgert und leben in Westberlin.

00:57:27: Ganz schön viel für Leben einer Familie oder?

00:57:30: Fangen wir so einen kurzen Teil des Familienlebens.

00:57:33: Wie blicken sie jetzt vielleicht zum Schluss aus heutiger Sicht?

00:57:38: Naja das gehört ja für mich total dazu.

00:57:41: also jetzt stellt euch mal vor eure... Eltern, wir machen es mal einfach während Diplomaten oder Ärzte und werden alle drei Jahre irgendwo hingeschickt.

00:57:48: Und ihr müsst ständig neu andocken.

00:57:50: also es gibt ja Menschen denen das noch viel häufiger passiert dass sie umziehen müssen oder sonst.

00:57:55: was ich glaube was mich so hart getroffen hat war diese Ohnmacht dass sich nicht selbst darüber bestimmen durfte wie und wann das passiert.

00:58:04: Klar gab es bestimmt auch mal in zwei Jahren, wo ich meiner Mutter einen Vorwurf gemacht habe.

00:58:07: Also ich weiß noch als Louis geboren wurde, da war ich schon ein bisschen aggressiver aber eben nicht zu der Zeit, als wir alle ausgebürgert worden sind weil da war auch dieser Schmerz und dieses Drama und dieses Loslassen ja noch voll im Prozess.

00:58:20: Da fängt man nicht an sozusagen auf seinen eigenen Wunden drum zu treten.

00:58:26: Jetzt ist man Alter, wo man natürlich anders reflektiert und wo ich jetzt zum Beispiel gucke.

00:58:31: Ich habe aus der Beziehung zu meiner Mutter gelernt die selten da war dass ich zum Beispiel versuche für meinen Sohn auch wenn nicht viel arbeite wirklich sehr viel aber von Zuhause zu arbeiten dazu sein gemeinsame Essen wahrzunehmen Urlaubszeiten zu haben oder immer ansprechbar zu sein.

00:58:46: einfach Da so und das war mir einfach wichtig hätte ich vielleicht vor zehn Jahren meiner Mutter vorwerfen können.

00:58:56: Das würde ich ja heute überhaupt nicht mehr vor werfen.

00:58:59: und Ja, ich würde sagen, ich glaube sie hat zu dieser Zeit versucht das Beste drauszumachen.

00:59:06: Natja Klier herzlichen Dank für das Gespräch.

00:59:09: Herzlichen Dank dass wir darüber gesprochen haben.

00:59:12: Danke!

00:59:13: Dass wir sein dürfen.

00:59:13: Vielen vielen dank.

00:59:14: Ja danke für den Weg nach Berlin.

00:59:17: Genau vielen Dank dass ich mitreden durfte.

00:59:24: Nadja Klia, ihre Mutter Freija und ihr damaliger Mann Stefan Kraftschick haben die DDR nicht ganz freiwillig verlassen.

00:59:30: Auch wenn sie die Ausbürgerung schlussendlich unterschrieben haben.

00:59:34: Sogenannte Zwangsausbürgerungen waren allerdings kein Massenphänomen in der DDR.

00:59:38: Historiker gehen von insgesamt unter einhundert Fällen aus.

00:59:42: Der bekannteste davon ist sicherlich der Ausbürggerung des Liedermacheres Wolf Biermann.

00:59:47: Rund vierunddreißigtausend Menschen wurden übrigens aus politischer Haft von der BRD freigekauft und in den Westen abgeschoben.

00:59:53: Wir möchten euch an dieser Stelle noch ein Buch empfehlen.

00:59:56: Es heißt, Ein Spaziergang war es nicht.

00:59:58: Kindheit zwischen Ost und West.

01:00:00: Darin schildern Kinder wie sie aus ihrer gewohnten Umgebung in der DDR herausgerissen wurden auch Natja Klier.

01:00:07: Für die nächste Folge haben wir uns übrigens mit Friederike Magirius getroffen.

01:00:11: Sie ist die Tochter von Friedrich Magirias einem Pfarrer der in den Achtzigerjahren Superintendent in Leipzig war Und für die berühmten Montagsgebete in der Nikolaikirche mit verantwortlich waren.

01:00:22: Liked und abonniert gern diesen Podcast.

01:00:24: Tschüss, bis zum nächsten Mal!

01:00:48: Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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